Nur wer die Lernenden kennt, kann sie gut betreuen

Beziehungsarbeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in der Ausbildung der Lernenden. Ab Lehrbeginn 2018 nimmt ihre Bedeutung bei der WKS KV Bildung noch zu: In neuen Unterrichtsmodulen soll sie den kaufmännischen Lernenden zu der Selbst- und Sozialkompetenz  verhelfen, die sie im Berufsleben benötigen.

«Beziehungsarbeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.»

Anna Kleiner, Leitung Bildungsgang KV Handelsschule mit EFZ

Jedes Jahr an einem Freitag im August wandern rund 24 Jugendliche zusammen auf den Gurten. Es sind die neuen Handelsschülerinnen und Handelsschüler, die zu Beginn der Woche in einen neuen Lebensabschnitt gestartet sind. Auf dem Berner Hausberg definieren sie die Werte, die ihnen während der nächsten zwei Jahre Orientierung geben sollen. Die Werte halten sie auf Blöcken fest, die mit Fäden verbunden sind. Danach ergreifen die Jugendlichen je einen Faden. Ihre Aufgabe ist es, so an den Fäden zu ziehen, dass sie die Blöcke zu einem Werteturm aufschichten können. In einem Durchgang dürfen sie mit Worten kommunizieren, in einem anderen nur mit Blicken. Mit dabei sind Anna Kleiner, die den Bildungsgang KV Handelsschule mit EFZ leitet und selbst als Lehrperson tätig ist, der Leiter Praktika Andreas Schelbert sowie weitere Lehrpersonen der Handelsschule. Bei dieser Übung und bei weiteren Teambildungsaktivitäten des Tages sehen sie, wie die Jugendlichen ticken: Wer übernimmt das Kommando, wer fügt sich ein, wer hat Mühe, sich zu integrieren?

Gefragt sind Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenz

«Beziehungsarbeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Teambildung zu Beginn der Ausbildung ist deshalb ausgesprochen wertvoll. Sie ermöglicht es uns, zu den einzelnen Lernenden eine Beziehung aufzubauen, aus der sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis entwickeln kann. Und je schneller und besser wir die Jugendlichen, ihren Werdegang und ihr soziales Umfeld kennenlernen, desto rascher können wir eingreifen, wenn etwas nicht gut läuft», sagt Anna Kleiner. Schwierigkeiten offenbaren sich spätestens beim ersten Zwischenzeugnis im Januar des darauffolgenden Jahres. Sind die Leistungen ungenügend, knüpfen Anna Kleiner und die anderen Lehrpersonen an die Beziehung zum betreffenden Lernenden an und schauen, welche individuelle Unterstützung die Person benötigt, um wieder auf Kurs zu kommen. «Oft muss die Selbst-, Sozial- oder Methodenkompetenz gestärkt werden», sagt Anna Kleiner. Dazu gehören zum Beispiel die Fähigkeiten, sich selbst zu organisieren, Termine einzuhalten oder Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. In solchen Situationen sind die Lehrpersonen Coachs, die eine Jugendliche, einen Jugendlichen Schritt für Schritt begleiten.
Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenz stellt auch für das einjährige Praktikum, mit dem die Handelsschule abschliesst, und den weiteren beruflichen Werdegang der Absolventinnen und Absolventen ein grosses Plus dar, ist Anna Kleiner überzeugt: «Der kaufmännische Beruf befindet sich im Wandel. Niemand weiss, wie er in zehn Jahren aussehen wird. Sicher ist aber, dass die Fähigkeit, sich Wissen zu beschaffen, dieses zu verknüpfen und das daraus erworbene Know-how effizient einzusetzen, wichtiger sein wird als das reine Wissen an sich. Dies erfordert ein hohes Mass an Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz.»

Die WKS KV Bildung leistet Pionierarbeit

Genau diese Kompetenzen will die WKS KV Bildung bei der Ausbildung ihrer Lernenden in Zukunft noch stärker fördern, als sie es jetzt schon tut. Der für die subventionierten Produkte der Grundbildung verantwortliche Verein Wirtschafts- und Kaderschule KV Bern hat deshalb seine Unterrichtsformen in einem Innovationsworkshop, der vom Leiter Kaufleute Simon Schranz durchgeführt wurde, neu konzipiert. Die Struktur ist für alle kaufmännischen Berufslehren ähnlich, nimmt aber Rücksicht auf die Fähigkeiten der jeweiligen Lernenden. Die Handelsschule nimmt diese Grundidee, die auf www.wksbern.ch beschrieben ist, auf.
Mit der neuen Unterrichtsform ermög­licht die WKS KV Bildung ihren Lernenden, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig zu lernen. Voraussetzung dafür sind gute Beziehungsarbeit und eine enge Begleitung durch die Lehrpersonen. Dies gewährleistet, dass die Lernenden gefördert und gefordert, nicht aber überfordert werden, und sich in sicherem Rahmen die Skills aneignen können, die sie für ein erfolgreiches Berufsleben benötigen.