«Nur Taten bringen einen voran»

Die deutsche Motivationsexpertin Nicola Fritze begeisterte am diesjährigen Berner Wirtschafts- und HR-Forum das Publikum. Mit einfachen Übungen schaffte sie das, was den meisten Menschen misslingt: das Durchbrechen alter Gewohnheiten. Im Interview spricht sie darüber, wie Verhaltensänderungen zustande kommen und welche Rolle unsere Glaubenssätze dabei spielen.

«Unternehmen – und Menschen – brauchen den Mut, voranzugehen, Neues zu wagen, neugierig zu bleiben oder es wieder zu werden.»

Nicola Fritze, Motivationsexpertin

Der Titel Ihres Buchs über Motivation lautet: «Motivier dich selbst. Sonst macht’s keiner!» Frau Fritze, was hat es damit auf sich?

Der Mensch kann sich auf Dauer nur selbst motivieren. Nur er weiss, was ihm wirklich wichtig ist. Sieht er einen Sinn in seiner Arbeit, ist er zur Leistung bereit. Die Hirnforschung hat dies in verschiedensten Studien bestätigt. Dennoch versuchen Unternehmen, die kurzfristige Motivation eines Menschen mit Incentives anzukurbeln. Damit unterstellen sie den Mitarbeitenden, dass sie nur ihr Bestes geben, wenn man ihnen eine Belohnung vor die Nase hält. Dies kommt fast einer Entmündigung gleich.

Motivierte Mitarbeitende sind für jedes Unternehmen ein Erfolgsfaktor. Welche Unternehmenskultur braucht es, damit die Selbstmotivation einen guten Nährboden findet?

Motivationsfördernd sind erstens Gestaltungsmöglichkeiten: Mitarbeitende sollten ihre Arbeit möglichst selbstständig planen können, in die Optimierung von Arbeitsprozessen eingebunden werden und ein Mitspracherecht besitzen. Der zweite wichtige Punkt ist die Verbundenheit mit dem Team und die Identifikation mit dem Unternehmen und dessen Werten. Drittens erfordert Motivation eine Feedbackkultur. Damit meine ich ausdrücklich sowohl anerkennendes Feedback, das die Entwicklung eines Mitarbeitenden würdigt, als auch kritisches. Läuft etwas nicht gut, müssen der Vorgesetzte und der Mitarbeiter hinschauen und prüfen, welche Unterstützung erforderlich ist.

«Vom Wissen über das Können zum Tun» ist ein zentraler Wert der WKS KV Bildung. In Ihren Vorträgen vermitteln Sie wenig Wissen, dafür aktivieren Sie Ihr Publikum zum Handeln. Warum sind Taten so wichtig?

Nur Taten bringen einen voran. Das reine Nachdenken über Veränderungen hingegen bewirkt wenig. Allerdings ist die Schwelle vom Denken und Wissen hin zum Tun hoch. Wir können sie nur überwinden, wenn wir uns aus der Komfortzone herauswagen und uns auf das Unbekannte einlassen. Das erfordert Mut, denn wir können nicht darauf bauen, dass unser Tun das gewünschte Ergebnis bringen wird. Viele Menschen tun sich schwer damit, diese Veränderungskraft aufzubringen. Gerade in der heutigen Zeit, in der sie bereits einer grossen Arbeitsbelastung ausgesetzt sind, fehlt ihnen oft die Energie dazu.

Sie plädieren für eine konstruktive Grundhaltung. Wie gelingt es, den Wechsel von einer «Ja, aber»-Einstellung hin zu einem «Ja genau! Und …» nachhaltig zu vollziehen?

Am Wirtschafts- und HR-Forum haben wir zwei Minuten lang den Fokus auf «Ja genau! Und …» gelegt und uns dabei bestens amüsiert. Genau diese Mischung aus Spass, Konzentration und Wiederholung ist erforderlich für eine nachhaltige Änderung der eigenen Haltung. Das erklärt sich aus der Funktionsweise unseres Gehirns: Wenn ich Spass habe, schüttet es neuroplastische Botenstoffe aus. Diese ermöglichen es, dass sich neue neuronale Verbindungen bilden. Konzentration und Wiederholungen festigen diese Verbindungen.

Unsere Einstellung ist auch von Glaubenssätzen geprägt, die tief in unserem Unterbewusstsein verankert sind. Ihr Ratschlag ist: «Glauben Sie nicht alles, was Sie denken, aber glauben Sie immer an sich selbst.» Wie erkennt man falsche Glaubenssätze?

Wir erkennen sie meistens an dem Wort «eigentlich». Wir ertappen uns zum Beispiel, dass wir «eigentlich» gerne etwas tun würden und glauben dann bestimmte Wahrheiten, die das nicht ermöglichen. Es lohnt sich zu überlegen, warum man seine Absicht nicht in die Tat umsetzt. Oftmals sind es unsere Glaubenssätze, die uns ausbremsen. Zum Beispiel: «Ich habe keine Zeit», «Ich bin zu alt», «Ich bin zu jung». Man sollte die Glaubenssätze genau prüfen, um herauszufinden, ob es möglicherweise noch eine andere Wahrheit gibt. Vielleicht habe ich zwar Zeit, scheue aber die Herausforderung? Ein hinderlicher Glaubenssatz wäre zum Beispiel: «Ich bin zu alt, um noch Ballett tanzen zu lernen.» Das ist nicht wahr! Förderlich wäre ein Gedanke wie «Ich bin zwar nicht mehr die Jüngste und werde keine Primaballerina mehr. Dennoch kann ich eine Menge Spass haben beim Tanzen.» Ich empfehle, neue Glaubenssätze wie diesen und die Erfolgserlebnisse, die man ihnen verdankt, schriftlich festzuhalten.

Zum Schluss: Welchen persönlichen Tipp geben Sie einem Bildungsunternehmen wie der WKS KV Bildung mit auf den Weg?

Unternehmen – und Menschen – brauchen den Mut, voranzugehen, Neues zu wagen, neugierig zu bleiben oder es wieder zu werden. Die WKS KV Bildung geht bereits viele mutige Wege. Dies hilft ihr, sich neu zu entdecken, sich selbst besser zu verstehen, sich stärker mit ihren Werten auseinanderzusetzen und sich ihrer USP bewusster zu werden.