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«Als Bildungsprofis werden wir unseren kaufmännischen ­Lernenden auch ­künftig die Fähigkeiten ­vermitteln, die sie für ihren Berufsweg benötigen.»

Simon Schranz, Leiter Bildungsgang Kaufleute bei
der WKS KV Bildung

 

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Der handlungsorientierte Unterricht bringt frischen Wind in die ­kauf­männische Grundbildung

Wer in der Arbeitswelt von heute bestehen will, muss Wissen anwenden können, statt es bloss aufzubauen. Die WKS KV Bildung lebt diesen Grundsatz bereits mit einem innovativen Unterrichtsmodell für die kaufmännischen Lernenden. Jetzt setzt sie sich dafür ein, dass die kaufmännische Grundbildung fit für die Zukunft gemacht wird.

 

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Dank der Betreuung durch ihren Berufsbildner Thomas Sauer und die Lehrpersonen sowie ihren Coach an der WKS KV Bildung ist Mia Lehmann, Kauffrau in Ausbildung, sehr selbstständig unterwegs.

 

Die digitale Transformation stellt ganze Branchen auf den Kopf. Sie macht Geschäftsmodelle obsolet, lässt neue Marktchancen entstehen, verändert Arbeitsabläufe und transformiert Berufsbilder. Auch dasjenige der Kaufleute. Vorbei sind die Zeiten, als diese in erster Linie Fachwissen erwarben und einsetzten. In der veränderlichen Welt von heute zählt vielmehr die Fähigkeit, sich aus der Fülle von Informationen rasch das aufgabenspezifische Know-how herauszufiltern und es möglichst schnell anzuwenden. Weil dies oft projektbezogen und in der Zusammenarbeit mit anderen geschieht, stellen Team- und Kommunikationsfähigkeit weitere Kompetenzen dar, die immer wichtiger werden. 

Lernende individuell fördern 

Die WKS KV Bildung hat die Zeichen der Zeit erkannt. In der Grundbildung für die Beratungs- und Verkaufsberufe, insbesondere bei den Fachleuten Kundendialog, setzt sie schon länger auf einen konsequent handlungsorientierten und vernetzten Unterricht. Im August 2018 hat sie nun für ihre kaufmännischen ­­Lernenden das fortschrittliche ­Unterrichtsmodell Begleitetes Selbstorganisiertes Lernen ­(BGSOL) eingeführt. Im Gegensatz zur klassischen Unterrichtsmethode, welche die WKS KV Bildung weiterhin anbietet, fokussiert das BGSOL auf selbstständiges Lernen innerhalb klarer Strukturen. Die frontal vermittelten Unterrichtseinheiten sind kürzer, sodass den Lernenden mehr Zeit für die Vertiefung des Stoffs bleibt. Der Unterricht und die selbstständigen Arbeitssequenzen finden in eigens gestalteten Lounge-ähnlichen Räumlichkeiten statt. Jeder Lernende wird von seinem Coach und seinen Fachlehrpersonen individuell betreut und gefördert. «Die Lernenden geniessen mit dem BGSOL-Modell viele Freiheiten bei der ­Gestaltung ihres Schulalltags. Gleichzeitig übernehmen sie mehr Verantwortung für ihre Lerntätigkeit. Dabei erwerben sie Handlungskompetenzen, die sie im Berufsleben weiterbringen – egal, in welche Richtung sich der kaufmännische Beruf in Zeiten von Smart Economy entwickeln wird», sagt Simon Schranz, Leiter Kaufleute bei der WKS KV Bildung. Zurzeit ist das BGSOL-Modell freiwillig und wird von rund 15% der Lernenden gewählt. 

Während die WKS KV Bildung die Zukunft einläutet, herrscht bei der kaufmännischen Grundbildung hinsichtlich zeitgemässer Kompetenzen ein klarer Reformbedarf. Zwar schreibt das Berufsbildungsgesetz (BBG) vor, dass berufliche Grundbildungen alle fünf Jahre auf ihre Aktualität hin überprüft und falls nötig angepasst werden müssen. Da im Jahr 2022 eine erhebliche Änderung ansteht, wurde die kaufmännische Grundbildung 2017 lediglich punktuell erneuert, sodass die letzte grössere Revision auf das Jahr 2012 zurückgeht. 2022 sollen die Weichen neu gestellt werden. Die Schweizerische Konferenz der kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen (SKKAB) überarbeitet derzeit die Grundlagendokumente und Umsetzungsinstrumente für die kaufmännische Grundbildung. Das neue Berufsbild wurde bereits definiert. Entschieden ist weiter, dass die Handlungskompetenzorientierung im Fokus stehen wird. Noch nicht geklärt ist jedoch, welche Kompetenzen die künftigen Lernenden genau erwerben sollen und wie diese zu prüfen sind.

Kompetenzen für die Zukunft

Die WKS KV Bildung plädiert dafür, die Kompetenzen möglichst stark auf die Anforderungen der Arbeitswelt auszurichten und teilweise auf ein Portfolio-Prüfungssys­tem zu wechseln. Anders als bei der jetzigen Lösung mit langen schriftlichen und fachorientierten mündlichen Prüfungen zum Schluss der Lehre dokumentiert man bei Portfolio-Prüfungen während der gan­zen Ausbildungszeit Kompetenzen, die angerechnet werden. Die Abschlussprüfungen sind stark auf diese erworbenen Kompetenzen ausgerichtet. Denkbar ist sogar ein System, bei dem nicht alle Lernenden dieselben Kompetenzen erwerben. «Das Portfolio-System hat den Vorteil, dass im Unterricht Lernbereiche miteinander verknüpft werden können. Damit sind die Lernenden gut gerüstet für die zunehmend vernetzte Arbeitswelt», sagt Markus Gsteiger, Leiter Kaufleute und Prüfungsleiter bei der WKS KV Bildung. 

Unabhängig davon, wie stark sich die kaufmännische Grundbildung tatsächlich ­ver­än­­-
dern wird, ist die WKS KV Bildung dank ihrer langjährigen Erfahrung im handlungskompetenzorientierten Unterricht und in den beiden Unterrichtsmodellen bereit für die revidierte Bildungsverordnung Kauffrau/Kaufmann EFZ. Ihren innovativen Kurs will sie fortsetzen. «Die WKS KV Bildung hat bereits unter der bestehenden Bildungsverordnung Kauffrau/Kaufmann EFZ bewiesen, dass sie konstruktive Lösungen findet. Als Bildungsprofis werden wir unseren kaufmännischen Lernenden auch künftig die Fähigkeiten vermitteln, die sie für ihren Berufsweg benötigen», sagt ­Simon Schranz. 

Kaufleute 2022 

Die Schweizerische Konferenz der kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen (SKKAB) ist für die berufliche Grundbildung und den Bildungsplan für den Beruf Kauffrau/Kaufmann EFZ verantwortlich. Sie hat das Projekt «Kaufleute 2022» lanciert, um die kaufmännische Grundbildung gemäss Berufsbildungsgesetz (BBG) zu aktualisieren. Im Projekt werden die Kompetenzen definiert, welche die kaufmännischen Lernenden zukünftig erwerben sollen, und ein didaktisches Rahmenkonzept für alle Lernorte entwickelt. Der Vorstand der SKKAB ist in der Schweizerischen Kommission für Berufsentwicklung und Qualität (SKBQ) Kauffrau/Kaufmann EFZ vertreten, die für die Umsetzung der Bildungsverordnung und des Bildungsplans verantwortlich ist. Die neue Bildungsverordnung für die kaufmännische Grundbildung soll 2022 in Kraft treten.