«Durch positive Erlebnisse stärkt man seine Resilienz fast von alleine. Zum Beispiel, wenn man eine schwierige Prüfung besteht oder eine anspruchsvolle Bergtour unternimmt.»

Sarah Messerli, Leiterin der Beratungsstelle plan.b der WKS KV Bildung

 

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«Die Lernenden beweisen bereits 
eine gewisse Resilienz, indem sie 
sich an mich wenden»

 

Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen und Strategien für den Umgang mit Stress entwickeln: Diese Fähigkeiten kommen einem in allen Lebensbereichen zugute. Sie sind Teil des Rüstzeugs, das sich Lernende bei der Beratungsstelle plan.b der WKS KV Bildung holen, um widrige Situationen zu meistern. Deren Leiterin Sarah Messerli erklärt im Interview, wie sich die eigene Widerstandskraft stärken lässt.

 

Sie betreuen jährlich rund 50 ­­­Lernende, die bei Ihnen Hilfe suchen, wenn sie Schwierigkeiten haben. Welches sind die häufigsten Anliegen der Jugendlichen? 
Sarah Messerli: Die meisten Lernenden wenden sich wegen Lernschwierigkeiten an mich. Woher diese stammen, ist meist schnell geklärt: Entweder wird zu wenig oder falsch gelernt. Einige Lernende haben Probleme mit Berufs- oder Praxisausbildenden. Andere sind im Privatleben belastet, etwa aufgrund sexuellen Missbrauchs, einer Suchterkrankung oder einer schweren Erkrankung eines Familienmitglieds. Jugendlichen mit Migrationshintergrund fällt es zuweilen schwer, den Spagat zwischen zwei Kulturen zu meistern. 

Wie können Sie den Lernenden helfen? 
Ich kreise zunächst das Problem ein und plane mit den Lernenden daraufhin die nächsten Schritte. Vor allem aber höre ich sehr viel zu, hake ein, frage nach. Auf diese Weise kommen die Lernenden im Gespräch meist selbst auf die Lösungen. 

Resilienz steht für die Fähigkeit, Krisen und Rückschläge für die eigene Entwicklung zu nutzen und gestärkt daraus hervorzugehen. Welche Rolle spielt Resilienz in Ihrer Beratungstätigkeit? 
Veränderungen, Misserfolge, Krisen, sogar Schicksalsschläge gehören zum Leben. Wie man sie verkraftet bzw. wie man resilienter wird, ist deshalb ein allgegenwärtiges Thema bei meiner Arbeit. Es geht darum, zu erkennen, dass wir zwar nicht beeinflussen können, was uns passiert, wohl aber, wie wir damit umgehen: Sitzen wir auf dem Beifahrersitz, oder nehmen wir das Steuer in die Hand? Die Lernenden beweisen bereits eine gewisse Resilienz, indem sie sich an mich wenden, um ihre Situation zu verbessern. Denn Netzwerk-, Lösungs- und Zukunftsorientierung sind wichtige Resilienzfaktoren. Weitere Aspekte von Resilienz sind die Akzeptanz einer Situation, die Wahrnehmung von Eigenverantwortung und das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit. In meiner Beratungstätigkeit zeige ich den Lernenden deshalb auf, welche Handlungsmöglichkeiten sie haben. 
Kleine Massnahmen reichen oft schon aus. Statt sich mit negativen Gedanken zu ­nähren oder andern die Schuld zu geben, können sie zum Beispiel ihre innere ­Einstellung überdenken und sich anders verhalten. So kann man jemanden anlächeln, statt sich darüber aufzuregen, dass er un­freundlich ist. 

Das klingt so, als wäre Resilienz lernbar. 
Das ist es auch. Durch positive Erlebnisse stärkt man seine Resilienz sogar fast von alleine. Zum Beispiel, wenn man eine schwierige Prüfung besteht oder eine anspruchsvolle Bergtour unternimmt. Denn in beiden Fällen hat man Durchhaltewillen bewiesen und sich in einer schwierigen Situation durchgebissen. Da darf man sich ruhig auf die Schulter klopfen und sich zum Erfolg gratulieren. Das machen wir alle viel zu selten. Dabei sind gerade Liebe und Achtsamkeit sich und anderen gegenüber Dinge, die sich positiv auf unsere Resilienz auswirken. 

Welche weiteren Empfehlungen geben Sie Menschen mit auf den Weg, die ihre Resilienz stärken möchten? 
Das Wichtigste ist, Dinge zu tun, die einem gut tun. Das fängt bereits mit einer guten Morgenroutine an. Freuen Sie sich auf das, was Ihnen der heutige Tag bringt, anstatt zu denken: Mist, es ist wieder Montag. Machen Sie tagsüber immer wieder Pausen, trinken Sie viel Wasser, ernähren Sie sich gesund, und achten Sie auf genügend Bewegung, denn dies baut Stresshormone ab. Gestalten Sie Ihre Freizeit, indem Sie Beziehungen pflegen, Hobbys nachgehen, ­Musik hören und auch mal offline sind. Schaffen Sie sich einen «heiligen Ort», an dem Sie ungestört sind. Meditieren Sie, auch wenn Sie nur fünf Minuten dafür aufwenden. Pflegen Sie ein stärkendes Abendritual, bevor Sie ins Bett gehen. Denken Sie zum Beispiel darüber nach, was Ihnen am Tag alles gelungen ist. Natürlich müssen Sie nicht alle diese Ratschläge umsetzen. Es reicht, wenn Sie sich aus dieser Palette das herauspicken, was Sie anspricht. So schaffen Sie sich einen Fundus an wirkungsvollen Massnahmen, auf die Sie in Stresssituationen zurückgreifen können. 
 

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Das Interview führte
Karin Meier.
Sie ist freie Journalistin und Texterin. Sie schreibt seit sieben Jahren für die WKS KV Bildung.